Mittwoch, 7. Januar 2015

Wir sind Kirchen und Binsenweisheiten

Wenn schon jeder hergelaufene Hansel sich einen „Wir sind Kirche“-Button aufpappen kann, muss der Vorsitzende der DBK natürlich noch einen draufpacken, und weil der Plural von Wir nicht gängig ist, bleibt nur das „Kirche“ übrig. So berichtet die Welt:
Marx hatte die Forderung der CSU zur schnelleren Abschiebung von abgelehnten Asylbewerbern zurückgewiesen. "Pauschale Lösungen lehnen wir als Kirchen ab, denn das Asylrecht ist bezogen auf den Einzelnen", sagte er.
Das ist halt der Vorteil, in einem großteils protestantischen Land zu einer Zeit, wo es leicht wie selten, päpstlicher als der Papst zu sein, ist, zu wohnen: denn der Papst kann nur für eine Kirche sprechen, Marx gleich für mehrere.

Da wurde aber scheint’s die Rechnung ohne den Laien gemacht:
Seehofer entgegnete, es sei eine "Binsenweisheit der christlichen Ethik", dass Solidarität und Gerechtigkeit zusammenhingen. Die Solidarität der Bevölkerung bleibe nur erhalten, "wenn die Flüchtlinge hierzulande und in Europa gerecht verteilt werden".
Nun würde ich die Offenbahrung, dass in Gott Barmherzigkeit und Gerechtigkeit eins sind, nicht „Binsenweisheit“ nennen, aber da gibt es einen Punkt für die Politik. Ob die konkrete Anwendung (quasi: sollen sich doch die anderen kümmern) hier allerdings korrekt gelungen ist, wage ich etwas zu bezweifeln.

Wenn es Herrn Marx allerdings nicht mehr reicht, unter der gelb-weißen Flagge zu segeln, sollte er sich beeilen, neue Farben zu benennen, denn den Wechsel von gelb zu magenta haben derzeit schon andere marginalisierte Möchtegernpolitiker für sich reklamiert ...

Kommentare:

  1. Mich würde interessieren was der Kardinal mit pauschalen Lösungen meint. Wenn das Haus meines Nachbarn abbrennt und er bittet bei mir zu übernachten, werde ich das sicher nicht ablehnen, nach einem Jahr allerdings mal nachfragen, ob er sich nicht über eine neue Bleibe Gedanken machen sollte. Ist das jetzt pauschal?

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    1. Das ist möglicherweise nicht pauschal, sondern falsch gedacht.
      Das Asylrecht hierzulande (so wurde mir beigebracht) entstand vor dem Hintergrund der Judenverfolgung in der Weimarer Republik. Den Betroffenen damals hätte es wenig genutzt, wenn sie nach einem Jahr zurückgeschickt worden wären – warum sollte das heute anders sein?
      Die Diskussion, zu der Wir-als-Kirchen beiträgt, ist aber die Frage, ob „sichere Herkunftsstaaten“ existieren oder ob man bei Bewerbern aus Ländern, in denen es keine generelle politische Verfolgung gibt, trotzdem im Einzelfall prüfen muss, ob sie vielleicht doch verfolgt werden.
      Hier wäre m.E. allerdings theoretisch eine weniger pauschale Stellungnahme als die des Wir-als-Kirchen möglich.

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    2. Ich finde man sollte in der ganzen Diskussion mal berücksichtigen dass "Helfen muss nur, wer kann!" gilt.
      Und Herrschaften, richtig helfen ist verdammt schwer!
      Ein bisschen Geld, dass einem nicht gehört verteilen, wilde Pamphlete schreiben und von anderen fordern, dass sie doch gefälligst.......... ist leicht, richtig helfen, mit Herz, bringt einem schnell an die Grenzen und das in einem Land, wo man Müttern beibringt ihrer Kindlein zu vergessen.
      Wie soll denn das funktionieren?
      Die eigenen Kinder kriegt man nicht, weil es ja stressig ist und dann soll man sich wegen Fremder Stress machen?
      Dazu muss man schizophren denken und man kann darin auch Gottes Führung erkennen, wenn man denn will, wobei zu hoffen ist, dass in der ehrlichen Sorge (was ich zu bezweifeln wage) um die Fremden, die Liebe zu den Eigenen wieder wächst, und dadurch die Sorge um die Fremden ehrlicher und liebevoller wird, weil die Quelle wieder sprudelt.

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    3. Bei der Bewertung sollte man vielleicht berücksichtigen:
      „Unter den Aufnahmeländern rangiert Pakistan an erster Stelle; dort fanden 1,6 Millionen Afghanen Zuflucht. Der Libanon beherbergt 1,1 Millionen Schutzsuchende, der Iran 982.000, die Türkei liegt mit der Aufnahme von 824.000 auf Platz vier. Im Verhältnis zur eigenen Bevölkerung haben Libanon und Jordanien die größten Kontingente an Flüchtlingen aufgenommen, gemessen an der nationalen Wirtschaft erbringen Äthiopien und Pakistan die größte Leistung.“ (aus http://www.dw.de/mehr-menschen-auf-der-flucht-als-je-zuvor/a-18174419)

      Diese Länder kommen nicht nur hinsichtlich der emotionalen Zuwendung, die sie den Flüchtlingen entgegenbringen können, an ihre Grenzen, sondern in jeder Richtung.
      Wer soll also helfen, wenn nicht wir?

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    4. Sie haben ja recht werter Friedelon, nur erhebt sich die Frage:
      " Warum sollen wir eigentlich helfen," und das lässt sich im allerletzten nur beantworten wegen der Ebenbildlichkeit Gottes, und dem Gebot Christi "Alles was ihr von anderen erwartet, dass tut auch ihnen"
      Nun ja, sagen wir mal so, ich finde es schon komisch, dass man einerseits Christus nicht will, andererseits aber das tun will, was er will, was die Fremden angeht, aber nicht was die eigenen (Frau und Kinder) angeht.
      Genau das ist doch der Wertediskurs der geführt werden muss, oder sagen wir mal so, wenn ich das Haus bauen will, so brauch ich ein Fundament.

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