Sonntag, 9. November 2014

Es gibt kein Entkommen

In der Hoffnung, den „katechetisch missbrauchten“ Gottesdiensten vor Ort zu entkommen, gab es für mich heute das vom Domradio übertragene Pontifikalamt zur Eröffnung der Diaspora-Aktion des Bonifatiuswerkes aus der Dresdener Hofkirche.

Neben der gepredigten Erkenntnis, dass den Heiden, die in der Diaspora den Großteil der Bevölkerung ausmachen, Gott nicht gebracht zu werden braucht, dass wir viel mehr von den Heiden lernen sollten und dass (man höre und staune) auch Körperbehinderte Firmpaten werden können, gab es als Highlights:

- Kyrie-Tanzakrobatik:
Kinder in Clownskostümen und entsprechend geschminkten Gesichtern tanzten Reigen, wedelten mit bunten Tüchtern und balanzierten auf einem Gymnastikball, während ein junger Mann in Räuberzivil das Kyrie vorbetete.

- Basteleien-Prozession zur Gabenbereitung
Menschen in verschiedenen Kostümen und Trachten brachten Jonglagebedarf, Eier und Dinge, die sie selbst gebastelt hatten, deren Bedeutung sich dem Außenstehenden aber nicht erhellte, weil das zur Übertragung der Erläuterungen verwendete Mikrophon nicht gut funktionierte, die auf und an den Altar gelegt wurden. Brot und Wein habe ich nicht gesehen – die müssen anderweitig angekommen sein.

- Fürbitten und Teile des (erstaunlich kurzen) Hochgebets in Norwegisch, Estisch(?) und Sorbisch(?)
Dies ist eigentlich unterkritisch, weil Gott schon weiß, wie es gemeint ist, und auch bei lateinischem Gebet nicht jeder Gläubige versteht, wozu er Amen sagt.

- Anwendung von Mt 6,3 auf die Kommunionspendung – der Bischof drückt dem Diakon die Hostie in die Hand und wendet sich währenddessen schon wieder ab. Wozu soll er ihm das Allerheiligste auch zeigen oder auf ein Amen zu „Der Leib Christi“ warten – der Diakon wird ja schon wissen, was er mit der Oblate machen soll.

- Mehr Akrobatik während und nach der Kommunionausteilung an das Volk.

Das ist zwar nichts im Vergleich zu den Leistungen des hiesigen Ortsbischofs, der schon zur Mitte der Predigt hinreichend viele liturgische Missbräuche hinnimmt, dass empfindliche Gemüter lieber das Weite suchen – es legt aber nahe, dass eine gewisse Unklarheit über die Funktion von Messen nicht nur unter Feld-, Wald- und Wiesenpastoren verbreitet ist.

Kommentare:

  1. Was ist gegen Sorbisch im sorbischen Bistum einzuwenden?

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    1. Genau so wenig wie gegen Norwegisch und Estisch aus dem Mund von Bischöfen aus Gegenden, in denen diese Sprachen gesprochen werden. Es wird halt nur von den meisten nicht verstanden.

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